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WERKWANDEL 2_2022

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WERKWANDEL -Schwerpunktausgabe Nachhaltigkeit WERKWANDEL widmet Nachhaltigkeit eine Sonderausgabe und betrachtet die Aktivitäten rund um das Thema aus verschiedenen Perspektiven: Wie gehen kleine und mittlere Unternehmen mit den Anforderungen um? Wie wird ein Nachhaltigkeitszielbild entwickelt? Welche Zukunftstechnologien können nachhaltig zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen? Und wie unterstützen Wissenschaft und Verbände die Unternehmen?

WERKWANDEL 02/2022 Arbeitswelt gestalten Industrie und Natur im Einklang: HESSENMETALL setzt sich dafür ein. | Foto: © Andrei Kukla/stock.adobe.com Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement: Wie geht das praktisch? Handlungsempfehlungen aus dem Arbeitskreis Nachhaltigkeit von HESSENMETALL Ende der 90er-Jahre hatte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin im Rahmen des geplanten Klimaschutzprogrammes den Ausstieg aus der Atomenergie und die Einführung einer Ökosteuer gefordert. »Nicht mehr als eine Kugel Eis« sollte der Ausbau der erneuerbaren Energien angeblich kosten, so Trittin damals. Heute, zwei Jahrzehnte später, ist die Realität eine andere. Und wir müssen dringend Antworten darauf finden. Die drohende ökonomische und ökologische Ressourcenknappheit gefährdet Wirtschaft und Gesellschaft. Eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung muss sichergestellt werden. Der Krieg in der Ukraine zeigt überdeutlich, wie sehr eine Versorgung der deutschen Wirtschaft von Russland abhängig geworden ist und wie dringend wir das ändern müssen. Erschwerend wirkt sich für viele Unternehmen die Ausweitung der Pflichten zu Nachhaltigkeitsberichten aus. »Nachhaltigkeit« rückt immer stärker in ihren wirtschaftlichen Fokus. Die erfolgreiche Umsetzung dieser unternehmerischen Verantwortung, auch als Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet, ist somit eine wichtige strategische Aufgabe für die Entscheider geworden. Wie können Unternehmen die Herausforderungen lösen? Die Antwort: gemeinsam! Der Arbeitgeberverband HESSENMETALL lebt mit seinem »Arbeitskreis Nachhaltigkeit« vor, wie das gehen kann. 42

Abbildung 1: Nachhaltigkeit auf gesellschaftlicher (Makro-) Ebene Betriebserfolg Abbildung 2: Nachhaltigkeit auf betrieblicher (Mikro-) Ebene 1 von 7 WERKWANDEL 02/2022 Arbeitswelt gestalten RICHTLINIEN WEITEN PFLICHTEN AUS Der von der EU-Kommission 2021 angenommene CSR-Richtlinienvorschlag soll ab 2023 die Pflicht zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten auf alle großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten ausweiten. Gemäß einer DRSC-Studie (»Deutsches Rechnungslegungs Standards Comittee e. V.«) bedeutet dies eine Erhöhung der Anzahl betroffener deutscher Unternehmen um den Faktor 30. Auch wenn KMU auf den ersten Blick noch nicht direkt von dieser Berichtspflicht betroffen sind, wird die neue Richtlinie indirekt Auswirkungen auf viele KMU über Kunden, Kreditinstitute und Versicherungen haben. Diese werden zur Erfüllung ihrer eigenen Berichtspflicht diese Pflicht auch von ihren Geschäftspartnern (KMU) fordern. Link zur Studie »Abschlussbericht zur vom BMJV beauftragten Horizontalstudie sowie zu Handlungsempfehlungen für die Überarbeitung der CSR-Richtlinie« → Kurzvorträge erläuterten die grundsätzlichen Anforderungen eines Nachhaltigkeitsberichtes gemäß CSR Directive. Praxisbeispiele veranschaulichten die Anforderungen an Kennzahlen. Die Berichterstattung des Umweltberichtes eines Beispiel-Unternehmens aus dem Geschäftsjahr 2020 machte deutlich, vor welch großen Herausforderungen die Unternehmen zukünftig stehen. Den Abschluss bildete ein Praxisvortrag von Olaf Eisele (ifaa) über die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse verbunden mit der Frage: »Was ist nachhaltig und zielführend für Unternehmen«. Die Fachexpertin Prof. Dr. Anette von Ahsen vom Lehrstuhl für Rechnungswesen, Controlling und Wirtschaftsprüfung der Technischen Hochschule Darmstadt, gab Unternehmensentscheidern folgende Empfehlungen: Dieser Arbeitskreis soll nachhaltigen Unternehmenserfolg verbessern — wirtschaftlich, umweltfreundlich und sozial. In Zusammenarbeit mit dem ifaa hat HESSENME- TALL den Arbeitskreis »Nachhaltigkeit« gegründet. Erklärtes Ziel ist es, Informationen direkt aus der Praxis an die teilnehmenden Unternehmen zu geben. Im Mittelpunkt stehen kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ein Nachhaltigkeitsmanagement einführen oder ein bereits Vorhandenes verbessern möchten. Der Arbeitskreis begleitet sie auf diesem Weg. Er schafft eine Austauschplattform. Darüber können sich Unternehmen vernetzen und sich über praktische Probleme, Erfahrungen und Lösungsansätze austauschen. Wie arbeitet der Arbeitskreis Nachhaltigkeit? Beispiel aus einer Sitzung im Februar 2022: Auf der Agenda stand der Nachhaltigkeitsbericht gemäß CSR Directive (CSRD). Fachexpertin Prof. Dr. Anette von Ahsen ifaa-Experte Olaf Eisele begleitet den Arbeitskreis ›› Überprüfen Sie, welche Kennzahlen überhaupt erfasst werden müssen, ›› etablieren Sie eine offene Informationskultur im Unternehmen, ›› legen Sie fest, wie die Kennzahlenausprägungen und die Schnittstellen zum Reporting gestaltet werden sollen, ›› suchen Sie gezielt nach Kooperationspartnern (beispielsweise Teilnehmende dieses Arbeitskreises) und ›› starten Sie schnellstmöglich noch im Jahr 2022. CHECKLISTE zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Unternehmen Nachhaltigkeitsmanagement – Handbuch für die Unternehmenspraxis ARBEITSHILFE NACHHALTIGKEITS- MANAGEMENT Das Handbuch vermittelt in anschaulicher, praxisorientierter Weise Grundlagen, Inhalte und Vorgehensweise bei der Einführung und Verbesserung eines Nachhaltigkeitsmanagements in Unternehmen. Anhand von Beispielen wird einfach und verständlich dargestellt, wie Unternehmen durch die Gestaltung von Produkten, Unternehmensprozessen und Anlagen ihre Leistungsfähigkeit bei Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und Sozialverantwortung verbessern können. Das Handbuch befähigt die betrieblichen Akteure zur erfolgreichen Umsetzung in ihrem Betrieb. Das Handbuch enthält zudem Anregungen für Unternehmen, die integrierte Managementsysteme bspw. für Umwelt, Qualität und Nachhaltigkeit etablieren oder weiterentwickeln möchten. Werkzeuge zur Analyse, Planung und Verbesserung der Nachhaltigkeit Das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. in Düsseldorf ist das Forschungsinstitut der Metall- und Elektroindustrie zur Gestaltung der Arbeitswelt. Das ifaa verknüpft Kompetenz in Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation mit Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis. Das ifaa beteiligt sich an praxisrelevanten Forschungs- und Verbundprojekten und bereitet die gewonnenen Erkenntnisse für den Praxistransfer auf. Es vermittelt Erkenntnisse der Forschung und hilft den Partnern vor Ort, die Erkenntnisse, Methoden und Konzepte in den Betrieben umzusetzen. Das ifaa unterstützt Verbände und Unternehmen auf den Gebieten Arbeitsgestaltung/Ergonomie, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitswelt der Zukunft, Arbeitszeitgestaltung, betriebliches Gesundheitsmanagement, Digitalisierung/Industrie 4.0, Entgelt und Vergütung, Industrial Engineering, künstliche Intelligenz/lernende Systeme, Nachhaltigkeit, Planspiele, Produktionsund Unternehmensgestaltung, psychische Belastung am Arbeitsplatz. Das ifaa beteiligt sich an Diskussionen über arbeitswissenschaftliche und betriebsorganisatorische Fragen und Herausforderungen. Das gilt auch für Initiativen der Europäischen Union im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes mit ihren Auswirkungen auf die Unternehmen. Bei seinen Arbeiten bezieht das ifaa Veränderungen der Arbeitswelt ein, die auf demografische, gesellschaftliche, ökonomische und technologische Ursachen zurückzuführen sind. Übersicht der 1 0 % Zahlen | Daten | Fakten ifaa-EditionAbb.: 1 Nachhaltigkeitsmanagement – Handbuch für die Unternehmenspraxis Gestaltung und Umsetzung von Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Betrieben Nachhaltigkeit – Die Zukunft erfolgreich gestalten Bedeutung, Notwendigkeit, Situation und Umsetzung Grundlagen Der Begriff »Nachhaltigkeit« hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Er beschreibt dort ein Denken und Handeln, dass die Lebenssituation heutiger Generationen verbessert, ohne die Zukunftsperspektiven folgender Generationen zu verschlechtern. Durch die Enquete-Kommission wurde der Begriff Nachhaltigkeit mit einem Drei-Säulen-Modell beschrieben. Auf gesellschaftlicher (Makro-) Ebene beschreibt »Nachhaltigkeit« danach eine Politik, deren Ziel die gleichwertige und gleichberechtigte Sicherstellung und Verbesserung von ökologischer, ökonomischer und sozialer Leistungsfähigkeit ist [19]. Die Nachhaltigkeit wird maßgeblich durch die verfügbaren und eingesetzten Technologien beeinflusst. Neue Technologien (regenerative Energieerzeugung, Elektroantriebe oder künstliche Intelligenz etc.) bilden aktuell einen wesentlichen Hoffnungsträger, um die Nachhaltigkeit gesellschaftlich zu verbessern [13]. Insofern bildet die Technologie eine entscheidende Einflussgröße und Basis für die drei Nachhaltigkeitssäulen (Abbildung 1). Nachhaltigkeit 29. Juni 2020 Auf betrieblicher (Mikro-) Ebene beschreibt der Begriff »Nachhaltigkeit« die Unternehmenssituation bereits heute zu verbessern, ohne die langfristigen Zukunftsperspektiven für Unternehmen, Inhaber, Beschäftigte, Kunden und Lieferanten zu verschlechtern. Dazu müssen vom Unternehmen die Situation und Handlungsfolgen in den Dimensionen Ökologie, Ökonomie, Soziales und Technologie gleichrangig betrachtet werden. Die Nachhaltigkeit zeigt sich bei Unternehmen in den definierten Zielen und der Gestaltung bzw. den Eigenschaften von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmensprozessen (Abbildung 2). Service Logistik Vertrieb Produkte und Dienstleistungen Technologie Wohlergehen Soziales Umweltschutz Ökonomie Ökologie Management & Verwaltung Forschung & Entwicklung Beschaffung Handlungshilfen des ifaa zum Nachhaltigkeitsmanagement Nachhaltigkeitsmanagement – Handbuch für die Unternehmenspraxis Produktion Sample Text Umwelt Wirtschaft Soziales ISBN 978-3-662-63011-2 Technologie Die Gestaltung von Produkten und Prozessen hat dabei Auswirkung auf die eingesetzten Technologien (Produkt- und Prozesstechnik), Umwelt (Emissionen, Abfälle), den wirtschaftlichen Erfolg (Vermögen, Gewinne) sowie Wohlergehen von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Inhabern. 9 7 8 3 6 6 2 6 3 0 1 1 2 43

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