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Vordenker › Frank Voßloh (Viessmann) über die Energiekrise & mehr Arbeitswelt vor Ort › Zwei Jahre Corona und Kurzarbeit: Erfahrungen der M+E-Industrie Wissenschaft direkt › Mit KI das Wissen der Babyboomer sichern › humAIn work.lab — KI im Arbeitsalltag › Studie zum Innovationsmanagement › ifaa-Trendbarometer › Zukunftsgespräch: KMU-Einstieg ins Internet der Dinge Arbeitswelt gestalten › Digitale Personalakte › Normen für KI in der Arbeitswelt › Hybride Wertschöpfung spielerisch erleben › Neue Handlungshilfe zur psychischen Belastung

WERKWANDEL

WERKWANDEL 03/2022 Vordenker Das Foyer der Viessmann-Zentrale bietet einen Überblick über die moderne Produktwelt des Unternehmens.| Foto: Carsten Seim in der Viessmann-Zentrale in Allendorf ist dieser Ofen ausgestellt, den der 1879 geborene Unternehmensgründer Johann Viessmann gebaut hat. | Foto: Carsten Seim dass das Pendel auch einmal in die andere Richtung ausschlagen kann. Diese Situation haben wir gerade, und das Umdenken hat aus meiner Sicht bereits begonnen. Noch einmal zu Lieferketten: Intel baut in den USA gerade mit Milliardenaufwand zwei neue Chipfabriken. Müssen auch wir in Europa Lehren aus den Lieferproblemen bei Chips aus Asien ziehen? Dr. Voßloh: Es kann jedenfalls nicht so weitergehen, dass Chips praktisch nur noch aus Asien kommen. Wir müssen uns auch hier breiter aufstellen. Sonst sind wir gegebenenfalls preistreibender Spekulation und politisch motivierter Verknappung von Lieferungen wie aktuell beim russischen Gas hilflos ausgeliefert. Die weiten Transportwege zum Beispiel aus China lenken den Blick auch auf den ökologischen Fußabdruck globaler Lieferbeziehungen. Möglicherweise gibt es auch Produzenten in Europa, die Vorprodukte liefern können. Wir stehen hier mitten in einem Umbruch. Fachkräftemangel: Wie sind Sie betroffen? Dr. Voßloh: In Allendorf können wir unsere offenen Stellen besetzen. Aber mittelbar trifft uns das Fachkräfteproblem — und zwar durch den Handwerkermangel im Heizungs- und Sanitärgewerbe. Schätzungen zufolge fehlen hier bis zu 70 000 Fachkräfte, die unsere Anlagen einbauen und betreuen können. Gemeinsam mit den Handwerksverbänden entwickeln wir Kampagnen, um junge Leute dafür zu gewinnen. Wichtig ist mir, herauszustellen, dass dieser gefragte duale Beruf offen für den weiteren Aufstieg in akademische Ausbildungen ist. 14

WERKWANDEL 03/2022 Vordenker Was sollte geschehen, um mehr Fachkräfte zu mobilisieren? Dr. Voßloh: Bezogen auf unsere Kunden im Heizungs- und Klimatechnik-Gewerbe würde ich mir unbürokratischere Rahmenbedingungen für die Personalrekrutierung wünschen. Wenn jemand — ob aus dem Ausland oder nicht — bereits Vorerfahrungen oder eine Ausbildung etwa im KFZ-Bereich hat, so sollte man diesem beispielsweise eine verkürzte Ausbildung anbieten können, um sie oder ihn für Heizungs- und Klimatechnik fit zu machen. Bereits erworbene Kompetenzen sollten vereinfacht anerkannt werden. Bewerber kommen aus der dritten oder vierten Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Die erste dieser Generationen hat sich dem Wiederaufbau gewidmet. Die zweite hat dieses Werk vollendet. Diese Generationen haben Vermögen erwirtschaftet. Der unbedingte Wille, noch weiteres Vermögen zur eigenen Absicherung zu erwirtschaften, ist bei Jüngeren nicht mehr so stark vorhanden wie vielleicht noch vor 20 oder 30 Jahren. Viele wollen ihr Leben nicht mehr in diesem Ausmaß dem Beruf widmen. Viele Jüngere wollen flexible Arbeitszeiten, weil man zum Beispiel morgens noch die Kinder in die Kita bringen will. Abends Unternehmen Die Viessmann Climate Solutions SE ist ein 1917 gegründetes globales Familienunternehmen in vierter Generation GESAMTUMSATZ 3,4 Milliarden Euro ZENTRALSTANDORT F+E sowie Produktion in Allendorf (Eder), 120 Verkaufsniederlassungen weltweit CHAIRMAN Professor Dr. Martin Viessmann CEO Dipl.-Wirtschaftsingenieur Maximilian Viessmann Futuristische Architektur am Viessmann-Zentralstandort in Allendorf. Foto: Carsten Seim Roland Mack, Chef des Europaparks, beklagt die aus seiner Sicht zu geringe Leistungsbereitschaft jüngerer Bewerber. Viele würden ausdrücklich eine Work-Life- Balance sowie Homeoffice wünschen und Wochenendarbeit ablehnen. Entspricht das Ihrer Wahrnehmung? Dr. Voßloh: Ich würde die junge Generation definitiv nicht als faul bezeichnen. Aber sie ist von anderen Lebensumständen geprägt als ihre Vorgängergenerationen. Unsere Bewerberinnen und MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER weltweit mehr als 13 000 VIESSMANN DEUTSCHLAND GMBH 1 200 Mitarbeitende, rund 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz ist man dafür aber möglicherweise bereit, von zuhause aus noch einmal von 19 bis 21 Uhr zu arbeiten. Junge Leute fordern mehr Flexibilität und mehr Freiheiten in ihrer Arbeitszeitgestaltung. Interview: Carsten Seim Autor +49 179 2043542 Carsten Seim Redakteur avaris | konzept Carsten Seim ist überzeugt, dass Lean und Just-in-time in gestörten globalen Märkten neu gedacht werden müssen. Interviewpartner Dr. Frank Voßloh ist seit 2012 Geschäftsführer der Viessmann Deutschland GmbH. Studium der elektrischen Energietechnik am Institut für Hochspannungstechnik an der RWTH Aachen. Berufliche Stationen: Niederlassungsleiter bei AEG. Geschäftsleitung der Thyssen Krupp AG/Hi Serv. Weitere Führungspositionen (Gea Group, Sprecher der Geschäftsführung der TÜV Rheinland Industrie Service in Köln). 15

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